„Plötzlich löste sich ein Schuß…“

(Andreas Tögel) Kürzlich kam es im Rahmen eines Assistenzeinsatzes des Österreichischen Bundesheeres an der ungarischen Grenze zu einem folgenschweren Zwischenfall. Zwei junge Wachsoldaten hantierten – offenbar vorschriftswidrig und in grob fahrlässiger Weise – mit ihren Dienstpistolen vom Typ Glock 17, wobei, so berichteten es die Medien, „…sich plötzlich ein Schuß löste.“ Einer der beiden, ein 19jähriger Bursche, wurde dabei in den Bauch getroffen und schwer verletzt.  

Abgesehen von der von keinerlei Sachkenntnis getrübten Berichterstattung (ein Schuß löst sich nicht einfach aufgrund der einer Feuerwaffe innewohnenden Bosheit, sondern er wird – und zwar in 100 von 100 Fällen – ausgelöst), wirft der Zwischenfall gleich mehrere Fragen auf. 

  • Das Alter, ab dem im Land am Strome eine Faustfeuerwaffe legal erworben werden darf, liegt bei 21 Jahren. Wie sinnvoll diese willkürliche Bestimmung angesichts der Tatsache ist, dass man mit 19 als volljährig gilt, und mit noch weniger Jahren auf dem Buckel bereits die Wahlberechtigung erlangt, sei dahingestellt. Was viel bedeutender ist: Offenbar traut der allsorgende Vater Staat jenen Menschen, die sein Panier tragen, um einiges mehr zu als den Normalsterblichen. Immerhin drückt er 17jährigen Rekruten nicht nur Pistolen, sondern auch vollautomatische Gewehre nebst scharfer Munition in die Hand, deren Besitz rechtschaffenen, unbescholtenen Zivilisten strikt verboten ist. Erscheint das nur dem Verfasser dieser Zeilen seltsam? Oder ist es so, daß das Tragen einer Uniform besondere, bislang unerforschte charakterliche, geistige oder technische Qualitäten verleiht, deren Zivilisten ermangeln?
  • Die Vorschrift besagt, daß die im beschriebenen Fall geführten Dienstpistolen nicht geladen, sondern nur „halbgeladen“ sein dürfen. Das bedeutet, dass sich keine Patrone im Lauf befindet, der Schütze also, um schießen zu können, zunächst eine Patrone aus dem Magazin ins Lauflager repetieren muß. Das ist deshalb nicht ganz unproblematisch, weil dadurch wertvolle Zeit bis zur Schußbereitschaft verlorengeht, was in einem akuten Bedrohungsfall ohne weiteres den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten kann. In den USA, wo man in polizeitaktischer Hinsicht über wesentlich größere Erfahrungen verfügt als diesseits des Atlantiks, würde es kein Polizist akzeptieren, seinen Dienst mit einer „halbgeladenen“ Waffe versehen zu müssen. 

Dass die Glock zu den handhabungssichersten Pistolen überhaupt zählt, macht diese Vorschrift zusätzlich fragwürdig, die, wie der vorliegende Fall ja zeigt, offensichtlich nicht dazu angetan ist, Unfälle zu verhindern.  

  • Wie alles im Leben, muß auch der sichere Umgang mit Feuerwaffen gründlich erlernt und regelmäßig geübt werden. Jedermann, der nur einmal im Jahr auf sein Motorrad steigt oder eine bestimmte Computerfunktion benützt, weiß von den Folgen mangelnder Routine ein Lied zu singen. Unsicherheit, Bedienungsfehler und Zeitverluste sind dann meist unvermeidlich. Beim Umgang mit Feuerwaffen kommt hinzu, dass es oft nicht bei der Frustration angesichts des mangelnden Anwendergeschicks bleibt, sondern – siehe oben – schwerwiegende Konsequenzen drohen können.

Beim zitierten Vorfall sind, abgesehen vom vorschriftswidrigen Ladezustand der Waffe –zwei grundlegende Sicherheitsregeln unbeachtet geblieben. Eine davon lautet: Ziele niemals auf jemanden/etwas, auf den/das du nicht schießen willst. Viele Tragödien hätten nicht stattgefunden, wäre diese Regel befolgt worden. Zweiter Grundsatz: Finger weg vom Abzug! In Filmdramen mag es cool aussehen, wenn der Held den Abzug seiner Waffe stets umklammert, in der Praxis kann das aber leicht zur ungewollten Schußabgabe führen – besonders in unübersichtlichen, stressbeladenen Situationen. Der Finger darf erst in dem Moment an den Abzug, wenn man zu schießen gedenkt.

Fest steht: Eine Waffe im Safe zu verwahren, ist nicht genug. Um sie zu beherrschen, sollte auch regelmäßig damit geübt werden, um Fehlbedienungen und Unfälle zu vermeiden.         

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